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Sagen und Legenden

Hier erfährt der neugierige Leser ein wenig über die Mythen und Legenden, die sich um den Reinhardswald ranken. Freilich handelt es sich nur um eine kleine Auswahl, denn bei der ungeheuren Vielzahl würde es den Rahmen dieser Seite sprengen.
Die Entstehung des Reinhardswaldes:
Es lebte vor langer langer Zeit ein Graf Reinhard (welchen Namen sollte er auch sonst gehabt haben). Ihm gehörte das gesamte Kulturland zwischen Diemel und Weser mit all seinen Dörfern und Ländereien. Doch der Graf hatte ein großes Laster, denn er frönte dem Glücksspiel, welches er mit anderen feinen Herren des Öfteren betrieb. Nur hatte unser Graf Reinhard nicht das, was man ein Glückliches Händchen nennt, denn oft verlor er beim Spiel. Eines Abends, als er mal wieder all seine Barschaft verzockt hatte, setzte er kurzerhand seine gesamte Grafschaft - und verlor natürlich. Da gebrauchte unser Graf Reinhard eine List, um seinen Besitz behalten zu können, denn er missgönnte dem Gewinner, dem Erzbischof von Paderborn, seinen Erfolg. So erbat er sich, noch eine einzige Ernte einbringen zu dürfen, ehe er das Land abtrete. Als ihm diese Bitte gewährt wurde, brannte er alle Städte und Dörfer nieder, vertrieb die Einwohner und lies überall Eicheln aussähen.Aus diesen Eicheln entstand der Reinhardswald und der glückliche Gewinner starb, ehe er seinen Gewinn bekommen konnte.


Die weiße Frau auf dem Ahlberg:
Vor sehr, sehr vielen Jahren stand auf dem Ahlberg eine trutzig stolze Burg. Sie beherrschte den gesamten südlichen Teil des Reinhardswaldes. Diese Burg war derart massiv und wehrhaft erbaut, dass sie als allgemein uneinnehmbar galt. Der junge Burgherr hatte gerade Hochzeit gehalten und sein junges Weib heimgeführt, als ihm Herolde Kunde von einem großen Heerzug brachten. Mit viel Freude vernahm er die Botschaft, dachte zugleich aber an seine arme Frau, die traurig zurück bleiben würde. Damit sie nicht unnötig weinen müsse, sagte er ihr nichts von seinem bevorstehenden Aufbruch, denn der Abschied selbst würde schon schwer genug werden. So konnten sie bis dahin noch glückliche Tage erleben. Dann aber hieß es Abschied nehmen, damit die Ritter noch rechtzeitig am Sammelplatz ankämen. Der junge Burgherr reichte seiner Gemahlin die Hand. Erschreckt warf sie sich an seine Brust und bat ihn inständig, er möge doch bleiben. Schweren Herzens riss er sich aus ihrer Umarmung und versprach, gleich nach bestandener Schlacht zu ihr zurück zu kehren. Bis dahin würde der Mond ihnen jeden Abend ihre Liebesgrüße überbringen. So stieg die Schöne Gemahlin Abend für Abend auf die hohen Burgmauer, um dem Mond die Grüße für den geliebten Gatten mit der Bitte des Überbringens anzuvertrauen. Eines Tages aber kam ein Bote geritten mit der Nachricht vom frühen Tode des jungen Ritters. Als er der Herrin die traurige Botschaft überbrachte, brach sie auf der Stelle tot zusammen. Die junge Frau wurde in ihrem prächtigen Brautkleid auf der Burg begraben. Das Band der Liebe zu ihrem Gemahl aber vermochte der Tod bis zum heute nicht zu zerreißen. In mondhellen Nächten entsteigt die Schöne ihrem Grab, um ihren lieben Gatten zu grüßen. Späte Spaziergänger können die weiße Gestalt dann auf dem Berg sehen. Auch sind die Reste der Burgmauer noch erhalten.


Die Stadt auf dem Gahrenberg
Wenn Schneeflocken vom Himmel wirbeln und kalte Stürme die Menschen an die wärmenden Ofen zwingen, denkt kaum jemand an den Kohlenberg im Reinhardswald, dem er seine Wärme verdankt. Nur hin und wieder wird in geselligem Kreis vom alten Berg erzählt.

Er hat früher einmal neben der Kohle auch Silber, Gold und Edelsteine enthalten. Durch die Schätze entstand eine reiche Stadt auf der Höhe. Doch machten sich mit dem Reichtum bald auch Sünde und Laster in den Mauern breit, und die Menschen trieben es ärger als in Sodom und Gomorrha. Gott aber hatte lange Zeit mit ihnen Geduld. Schließlich konnte er das Treiben aber doch nicht mehr mit ansehen, und so ließ er eines Nachts die Stadt mit Mann und Maus zugrunde gehen. Niemand weiß, wie es geschah; auch weiß niemand, wie es kommt, dass von diesem Tage an der Reichtum des Berges bis auf die schwarze Kohle versiegt ist. (frei nach Rode).    

Der Kutscherborn
Zwischen dem Butterstein und der Holzkape liegt eine sumpfige Wiese. Dort floss vor langer Zeit einmal ein Born zur Holzkape. Die Fuhrleute der Reinhardswaldstraße tränkten hier ihre Pferde. Die Quelle hieß deshalb der Kuscherborn. Auf der Straße trieb oft ein unbekannter Fuhrmann seine mageren Gäule mit schweren Lasten in den Reinhardswald. Er hatte es immer eilig und gönnte seinen Tieren auch in der größten Mittagshitze weder Wasser noch Ruhe. Er schlug die Pferde ohne Mitleid mit der Peitsche und fluchte über jeden kleinen Aufenthalt. Die anderen Fuhrleute wichen ihm deshalb aus, wenn sie seinen Peitschenknall oder sein Gefluche hörten. Eines Abends trieb er seine Pferde mit dem leeren Wagen zu besonderer Eile an. Der Tag war mörderisch heiß gewesen. Und am Born rief er; "Lauft nur, ihr faulen Viecher, zu saufen gibt's jetzt nichts!" und schlug noch kräftiger auf die armen Tiere ein. Da bogen die Pferde in wildem Galopp mit dem Wagen samt dem Kutscher vom Wege ab und rasten in den plötzlich weit geöffneten Born hinein. Die Schreie des Fremden sollen bis in die Stadt zu hören gewesen sein. Einige wollen sogar gesehen haben, wie das Gefährt in der Holzkape am Mühlenhof wieder aus der Erde herausgekommen ist und den Weg ohne Kutscher fortgesetzt hat.

Kassels Wolfsanger
Früher waren die Wölfe im Reinhardswald nicht nur sehr seltene Gäste, sondern wirklich heimisch. Aufgrund der hohen Vermehrungsrate wurden im Mittelalter des öfteren Treibjagden auf den Wolf abgehalten, bei denen natürlich auch der eine oder andere zur Strecke gebracht wurde. In diesen Zeiten war es jedoch üblich dass die erlegten Tiere dem Lehnsherrn gehörten. So wurden die toten Wölfe zur Fulda gebracht und dort aneinander in Reihe gelegt, um den Erfolg der Treibjagd zu verdeutlichen und dem Herrn die Achtung zu erweisen. Und genau an dieser Stelle findet sich heute das Gebiet der Stadt Kassel mit dem Namen Wolfsanger, dessen Namen aus fast vergessener Zeit stammt.

Märchen der Gebrüder Grimm
Der Reinhardswald nebst Umland ist Teil der Deutschen Märchenstraße. Auch in und um Kassel haben die Gebrüder Grimm ihre Märchen gesammelt und es verwundert nicht, dass einige der bekanntesten Märchen davon sich im Reinhardswald zugetragen haben, denn Kulisse dafür gibt es hier mehr als genug.

Der wohl bekannteste Ort darunter ist die Sababurg, auf welcher Dornröschen sich seinerzeit an der Spindel stach um dann 100 Jahre zu schlafen und das Schloss den dornigen Rosen zu überlassen. ach, wie viele Prinzen sind daran gescheitert durch das dichte Dornengeflecht zu dringen und die Prinzessin von diesem Fluch zu befreien, doch vor Ablauf der hundert Jahre gelang es keinem. Jeder der heute auf der Sababurg steht und sich umschaut wird sich schnell in jene Zeit zurück versetz fühlen, denn Lage, Landschaft und Bauwerk haben von ihrer damaligen Magie nicht ein Stück verloren.

Ein weiterer historischer Bau im Reinhardswald, genauer in Trendelburg, war der Ort an dem die arme Rapunzel ihre Kindheit und  Jugend verbrachte. Denn aus großer Not versprach ein Mann seine noch nichtmal geborene Tochter der bösen Zaubererin, welche diese gnadenlos in einen torlosen Turm (der dortige Burgturm) einkerkerte. Erst als sie mehr und mehr ins Visier der üblichen Prinzenschaft geriet verstieß sie sie ins Exil und ihr Prinz verlor dummer Weise auch noch sein Augenlicht beim Sturz in das obligatorische Dornengestrüpp. Erst als Gevatter Zufall die beiden im Exil zusammenführt konnten sie endlich bis in alle Zeiten im gemeinsamen Glück schwelgen.

Am südlichen Rand des Reinhardswaldes in Immenhausen lebte ein weiterer guter Bekannter, Hans im Glück heißt er. Dieser immer fröhliche Lebemann scheint auf den ersten Blick ein ziemlich naiver Trottel zu sein, doch bei genauer Betrachtung zeigt sich die ganze Weisheit seines Denkens und Tuns. Seinen Lohn aus sieben harten Arbeitsjahren tauscht er gegen immer wertloser scheinende Dinge ein, bis er am Ende mit leeren Händen dasteht. Dennoch erfährt er mit jedem Tausch eine Steigerung seines Glücks, denn er bewertet diese Dinge dabei nicht nach ihrem Tauschwert sondern nach ihrem Gebrauchswert. Die Welt des Habens ist ihm dabei fremd, er lebt vielmehr in einer bewussten Welt des Seins, in der er zum Schluss erkennt, dass aller Besitz ihn nur auf seinem Weg beschwert hat und dem Glück letztlich im Wege steht. Ich denke wir sollten alle dem Hans im Glück ein wenig nacheifern.
und noch so viele mehr...
Wie eingangs bereits erwähnt gibt es noch unzählige weitere Sagen und Legenden die sich um den Reinhardswald ranken. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr diese auf einer meiner geführten Wanderung zum Thema Sagen und Legenden entdecken.


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